Lost in terra incognita…

… oder wie es uns in die Oberpfalz verschlug

An Christi Himmelfahrt 2016 starb meine geliebte Oma und hinterließ mir einen Teil ihres Erbes. Dieses Erbe wurde unser Startkapital für unsere Reise ins eigene Haus und alles was danach kam.

Aber beginnen wir erst einmal wo anders…

Ich bin Jahrgang 1986 und erblickte in der schwäbischen Kleinstadt Nördlingen im Ries das Licht der Welt. Aufgewachsen bin ich hingegen in einer kleinen Gemeinde am äußerten „Zipfel“ des Erlanger Oberlandes – kurz vor der Regierungsbezirksgrenze zu Oberfranken. Ich war also quasi mein Leben lang eine Exilschwäbin in Mittelfranken.

An einem lauen Abend Ende Juli 2017 sollte sich dies ändern. Nach fast 2 Jahren Suche nach einem geeigneten Eigenheim im Radius von 50km um Nürnberg für uns und unsere Kinder, hatte ich meinen Göttergatten gerade noch so zu einer allerletzten Besichtigung überreden können. Allzu oft hatte sich ein vermeintliches Traumhaus als unsanierte Bruchbude im Orginalstil der 1960er herausgestellt oder man hatte uns direkt nach der allerersten Besichtigung bereits das Haus vor der Nase weggeschnappt. So kamen wir also an jenem Abend zu einem hellgelben Haus aus den 1990ern an einem ruhigen Wendehammer in einem kleinen Dorf – die Aussicht begrenzte nur der nahe Waldrand.

Große Hoffnungen hatten wir schon lange keine mehr – umso überraschender und unfassbarer war es für uns, dass wir kaum zwei Wochen später als Käufer jenes Anwesens beim Notar in Neumarkt saßen. Am 27. Juli 2017 haben wir den Kaufvertrag für unser eigenes kleines Haus unterschrieben und es folgte ein unglaublich stressiger August, indem ich neben meiner Vollzeittätigkeit als Tagesmutter, unseren eigenen drei Kindern – die ja Ferien hatten – auch noch im Eiltempo unseren 5-Personen-Haushalt in Umzugskartons verfrachtete und den Anfang September anstehenden Umzug organisierte. Unser Ältester sollte nach den Sommerferien eingeschult werden und bis dahin wollten – mussten – wir im neuen Haus sein.

Der Umzug klappte mehr oder minder reibungslos nachdem wir am 01.September 2017 von der Vorbesitzerin des Hauses die Schlüssel ausgehändigt bekamen. Es folgten Monate des sich Einrichtens, Kartons auspackens, Möbel rückens und an Weihnachten 2017 stand bereits das Meiste an seinem Platz. Wir konnten müde aber glücklich die Feiertage begehen und ich hatte das Glück bereits wieder im neuen Landkreis arbeiten zu können.

Nun mag man meinen: alles paletti – doch weit gefehlt! Wir hatten die letzten drei Jahre keine 15km entfernt im Nürnberger Land gelebt, aber alles hinter der Autobahnauffahrt zur A6 Nürnberg-Prag war für uns unbekanntes Terrain – terra incognita. Natürlich wussten wir, dass die Straße zur Autobahn sicherlich nicht irgendwo im nirgendwo enden würde, trotzdem hatte es uns in den drei Jahren vielleicht drei Mal dorthin in die Fremde verschlagen – zum nächstgelegenen Indoorspielplatz mit den Kindern. Wir kannten also von unserer neuen Heimat defacto nicht viel. Ich muss gestehen, ich wusste von Neumarkt nur, dass dort besagter Indoorspielplatz beheimatet war und eine Nürnberger S-Bahn-Linie dort ihren Endhalt hatte. Das war es aber auch schon – naja, nicht ganz: im Gegensatz zu Mittelfranken galt die Oberpfalz gemeinhin als katholisch. Das schreckte uns nun aber nicht wirklich, war ich dies doch auch aus meiner Kindheit und der Nähe zu Oberfranken gewohnt.

Hier soll nun festgehalten werden, wie es uns seit jener Zeit ergangen ist und noch ergehen wird. Was für Entdeckungen wir gemacht, welche Wendungen unser Leben genommen hat und was sich noch so alles zutrug.

Der erste Schock kam – so viel sei verraten – noch vor Heilig Abend 2017: das Oberflächenwasser vom Dach lief nicht ab und kam hinter der Garage wieder aus dem Fallrohr gelaufen. So riefen wir notgedrungen den Kanalservice, waren mit diesem fast drei Tage zu Gange, entdeckten ein falsch gesetztes T-Stück und haben nun die saubersten und mit der Kamera am besten dokumentieren Abwasserrohre im ganzen Ort und ein neues Y-Stück, da wo es seit 1994 bereits hätte sein sollen – für schlappe 1500.-€. Na denn: frohe Weihnachten!

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